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AKTUELL

Heim-WM aus meiner Sicht


Das freut einen wirklich, von so vielen Leuten zu hören: "Du hast einen richtig guten Job gemacht! Nur schade, dass ihr am Ende so viel Pech hattet."
Und so war's ja auch. Das scheint im Fernsehen angekommen zu sein. Taktisch, denke ich, haben wir uns keinen Fehler vorzuwerfen. Die ganze Mannschaft hat richtig gut harmoniert. Von Beginn an kontrollierten die Lui (Luise Keller) und Hanka das Feld. Eva hatte immer ein Auge auf Judith, die natürlich zu den absoluten Topfavoritinnen zählte. Auch Trixi und ich waren für's Finale vorgesehen.

Gegen Ende der fünften von sieben Runden plötzlich Chaos: lautes Kreischen und Krachen: Die Absperrgitter kippen mit einem kräftigen Windstoß mitten ins Fahrerfeld. Judith stürzt, Eva und mich erwischt das schwere Gitter am Arm. Schnell schnell weiterfahren. Durch den harten Schlag ist mein Arm erstmal ganz taub. Aber das war beim nächsten Anstieg schon wieder vergessen.
Zwei Topfavoritinnen machten sich da aus dem Staub: Amber Neben und Noemi Cantele - die darf man nicht fahren lassen! Zunächst waren wir ca. 15 Verfolgerrinnen. Aus dieser Gruppe sollte ich am nächsten Anstieg attackieren und an die beiden Ausreißerrinnen "ranspringen". Als eine Gruppe mit Eva aufschloss, bereitete sie meinen Fluchtversuch vor und fuhr beherzt in den Berg hinein. Und jetzt Alles! Ein explosiver Antritt und durchziehen! Aber die anderen Fahrerinnen wussten natürlich: solange Deutschland nicht vorne ist, können wir abwarten aber jetzt darf keine Deutsche ohne uns fahren. Das ist der Nachteil einer Heim-WM.
Ich war also bald gestellt und uns war klar: wir müssen das Loch zu den Ausreißerrinnen schließen, leider mit dem ganzen Feld im Schlepptau. Hanka und ich gaben Alles, wechselten uns bei der Nachführarbeit gut ab und zu Beginn der letzten Runde hatten wir Neben und Cantele eingeholt. An diesem Punkt hatte mein Beitrag zur WM bereits geleistet. Mir war klar, dass ich beim nächsten Berg "in die Luft fliegen" würde. Ich versuchte noch mal Judith und Trixi irgendwie in Position zu fahren, hatte aber auch dafür keine so rechte Kraft mehr.
Den folgenden Rennverlauf kenne ich nur aus Erzählungen. Martha Bastianelli, die neue Weltmeisterin, attackierte ca. 15 km vor dem Ziel aus einer 7-köpfigen Spitzengruppe mit Judith, die in der letzten Abfahrt stürzte. Trixi versuchte ihr Bestes im Finale, aber leider wurde auch sie zu sehr belauert und konnte keine vordere Platzierung mehr einfahren.
Natürlich waren wir im Ziel ein bisschen enttäuscht, wir hatten uns schließlich viel vorgenommen. Aber Mensch: Das war einfach Pech! Ich finde, wir haben unsere Arbeit gut gemacht. Und so war auch die Stimmung danach im Team.

Nächstes mal wird's besser!

Bis bald, Eure Claudi*


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